Kolumne
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Erwin Heri  Professor Finanztheorie, Universität Basel

Keine Konkurrenten

Passive Indexinstrumente und aktive Anlagekomponenten sollten nicht in Konkurrenz zu einander gesehen werden.

Jeweils im Frühjahr berichten die Pensionskassen über die Performance-Details des letzten Jahres, und die einschlägigen Berater präsentieren ihre Vergleichsberichte, die dann in den Medien heftig diskutiert werden: Deckungsgrade und Strategien, was wie, warum und wie viel zum Ergebnis beigetragen hat, und wie es weitergehen soll. Dabei bekommt die gute alte Indexierung ebenfalls einige Schläge ab, denn immer Ende Jahr wird offensichtlich, dass es überall Einzeltitel, spezifische Manager und entsprechende Strategien gegeben hat (oder hätte!), die die Indizes geschlagen haben. Und entsprechend doof oder dümmlich werden dann nicht selten Indexierungsstrategien hingestellt. Sprüche wie «…wenn man es halt nicht besser weiss…», hört man nicht zuletzt von aktiven Managern oder Vertretern
aktiver Strategien, die im letzten Jahr erneut die Indizes geschlagen haben.

Aber was sollen diese kurzfristigen Geschichten und die Frage nach den richtigen Einzeltiteln überhaupt – ausser eben Kolumnen füllen und vielleicht Klicks sichern? Die Performance eines Anlageportfolios ergibt sich bekanntlich vor allem aus der strategischen Mittelallokation. Diese sollte in vernünftiger Art und Weise die Passivstruktur, beispielsweise einer Pensionskassenbilanz, reflektieren und kann in diesem Sinne ausschliesslich aus Indexinstrumenten bestehen und braucht nicht jedes Jahr «gedreht» zu werden. Das ist nicht dümmlich, sondern zeigt, dass man Prioritäten zu setzen und die Möglichkeiten an diesen Märkten objektiv einzuschätzen weiss.

Strategische Allokation ist schwierig genug und verlangt unter anderem einiges an ökonomischem Verständnis. Und wenn man diese im Griff hat, ist es früh genug, sich mit wilden Produkten und den möglichen Opportunitäten unsystematischer Risiken auseinanderzusetzen. Nun gebe ich zu, dass systematische Unternehmensanalyse ein interessantes Unterfangen ist und die Finanz- und Marktanalyse nicht ohne sie auskommt – die Finanzmärkte sind ja gerade deswegen so effizient, weil systematisch analysiert und die entsprechenden Opportunitäten so effizient abgeschöpft werden. Daraus aber zu folgern, ein PK-Manager, der nicht alle Unternehmenszahlen der Titel in seinem Portfolio vorbeten könne, und der dann auch regelmässig «dreht», wenn sich die Zahlen ändern, würde seinen Job nicht gut machen, zeugt von einem eingeschränkten Verständnis für seinen Job. Es wäre wünschenswert, passive Instrumente und aktive Anlagekomponenten nicht in Konkurrenz zu einander zu sehen – es sind sich ergänzende Elemente.

Auch das Argument, ein passiv orientierter Pensionskassenmanager würde sich nicht mehr für die Unternehmen interessieren, die sich in seinem Portfolio befinden, ist nicht richtig. Ein Aktienbesitz im Rahmen eines grossen, indexnah geführten Portfolios macht den Anleger genauso zu einem «Besitzer» des Unternehmens, wie wenn die entsprechende Aktie mit einem anderen als dem Indexgewicht im Portfolio wäre. Entsprechend verhalten sich grosse PK in den Generalversammlungen aktiv oder passiv – unabhängig davon, ob sie indexnah investieren oder nicht. Vielleicht wäre sogar ein Gegenargument zu prüfen: ob ein indexnah investierender PK Manager nicht noch mehr Interesse an den Firmen hat als ein reiner Stockpicker. Der zweite hat nämlich die Möglichkeit, sich einfach von einem Titel zu trennen, bei welchem ihm Strategie, Management oder was auch immer nicht passt. Beim passiven Investor sind diese Möglichkeiten zumindest eingeschränkt.


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