Mangelndes Finanzwissen

Geldgeschäfte sind alltäglich: Wir alle bezahlen, sparen oder legen Vermögen an. Trotzdem ist das Finanzwissen der breiten Bevölkerung dünn.

Text: Rino Borini

Im Zweijahresrhythmus befragt der Vermögensverwalter AXA Investment Managers die Schweizer Bevölkerung bezüglich Finanz- und Fondswissen. Diese Studie wird seit 2007 durchgeführt. Zentrale Erkenntnisse der jüngsten Studie ist: «In Bezug auf ihr Finanzwissen schätzt sich immer noch etwas mehr als die Hälfte der Schweizer Bevölkerung als Laien ein. Der Anteil derjenigen, die sich als Profis deklarieren, nimmt aber stetig zu.»

Die Wissenslücken in Anlagefragen beschränken sich nicht nur auf Menschen aus tiefen Einkommensschichten oder mit tiefer Schulbildung: Das Problem betrifft sämtliche Gesellschaftsschichten, wie die repräsentative Umfrage ebenfalls zeigt. Erschreckend ist das Ergebnis auf die Frage, ob das Thema Fondsanlagen von Interesse sei. 70 Prozent der Befragten meinten: Nein.

Für die Branche der börsengehandelten Indexfonds sind die Ergebnisse ebenfalls nicht berauschend. Lediglich 20 Prozent der Bevölkerung kennen diese Art Fonds. Vergleicht man die Studien zurück bis ins Jahr 2007, zeigt sich kein Fortschritt. Schon 2007 gaben nur 19 Prozent an, ETF zu kennen und/oder einzusetzen.

Finanzwissen

 

Die mangelnde Wissensvermittlung zeigt auch die Frage, ob das Vermögen bei einer Insolvenz des Fondsanbieters geschützt sei. Lediglich 24 Prozent konnten diese Frage richtig beantworten. Auch die Thematik Minuszinsen wurde beleuchtet: 38 Prozent würden ihr Geld abheben, sollte eine Bank auf dem Privatkonto negative Zinsen einführen (oft als Guthabengebühr bezeichnet).

Positive Erkenntnisse gibt es für den Finanzberater, der mit dem Aufkommen von Fintech und Robo-Advisory öfters mal in Frage gestellt wird: Die Mehrheit der Schweizer Bevölkerung will ihre Anlageentscheidungen zusammen mit einem Berater fällen. Selber entscheiden möchten nur Profis und Besserverdiener. Die repräsentative Umfrage zeigt, dass es bezüglich Wissensvermittlung hierzulande noch viel zu tun gibt.

Financial Literacy betrifft die ganze Bevölkerung. Das Thema lässt sich nun mal nicht vermeiden: Planung der Vorsorge, der erste Hauskauf, schon allein die Schuldzinsen bei Kreditkarten – Finanzen sind allgegenwärtig. Die Bevölkerung braucht letztlich ein besseres Basiswissen, denn die Anforderungen werden eher zuals abnehmen. Hier sind auch die Banken gefordert, indem sie einfacher werden in der Kommunikation und digitale Hilfsmittel zur Wissensvermittlung einsetzen.

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