Kolumne
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Christian Katz  CEO SIX Swiss Exchange

Von Praktikern für Praktiker

Seit Jahren verzeichenen Exchange Traded Fonds enorme Zuwächse. 2012 haben die Produkte ihren Siegeszug fortgesetzt und die Zeichen stehen weiterhin auf grün.

Exchange Traded Funds haben im vergangenen Jahr ihrer Erfolgsgeschichte ein weiteres Kapitel hinzugefügt. Die weltweiten Vermögen in ETF erreichten Ende 2012 eine neue  Rekordmarke. Betrachtet man den weltweiten Fondskuchen, machen ETF trotz ihres starken Wachstums erst 10 Prozent aus. Dabei stehen die Chancen gut, dass sich ETF in Zukunft ein  noch grösseres Stück von diesem Kuchen abschneiden.

Viele aktiv verwaltete Fonds bekunden insbesondere seit 2008 grosse Mühe, neue Gelder zu akquirieren. Dies hängt mit der  Schwierigkeit zusammen, die Benchmarks über mehrere Jahre und vor allem auch in Zeiten radikaler Kurseinbrüche zu schlagen und somit ihre gegenüber ETF höheren Kosten zu  rechtfertigen. Das heisst auch, dass der Prozess einer stärkeren Trennung zwischen reinem Beta-Exposure durch ETF und aggressiver Alpha-Exposure durch Hedge Fund Allokation verschärft wird. Darunter leidet das Mittelstück, das aktive Fondsmanagement.

Im Schweizer Kontext kommt ein weiteres Element dazu. Es ist noch unklar, welchen Effekt die Diskussion rund um die Retrozessionen haben wird. Diese Frage kann in Zukunft wie Blei in  den Flügeln des Fondswachstums wirken oder aber den traditionellen Anlagefonds in eine neue Galaxie der Kostentransparenz verhelfen. Die Richtung ist noch nicht entschieden.  Möglicherweise sind aktiv gemanagte ETF die künftigen Stars – immerhin gibt es bereits über 40 solche Produkte in den USA, von denen nun auch eine Handvoll in Europa gesichtet  wurde.

Es gibt aber berechtigte Zweifel daran, dass es ihnen gelingen wird, die Anleger auf ihre Wanderung zwischen den Welten des aktiven und passiven Investierens im grossen Masse  mitzunehmen. Es ist bis heute nicht erwiesen, wie weit man über diese Instrumente aktiv sein kann, ohne die traditionellen Merkmale von ETF wie Transparenz und niedrige Kosten aufs  Spiel zu setzen.

Deutlich leiser sind die Töne in der Diskussion um das Thema synthetischer versus physischer Replikation geworden. Dass sich die grosse Aufregung in der Diskussion versachlicht hat, ist begrüssenswert. Die Tatsache, dass die physische Abbildung wo immer möglich angeboten wird, scheint heutzutage unbestritten. Die synthetische Replikation eines Index macht in vielen Fällen aber Sinn. Auch die Transparenz dieser Methode hat sich in den letzten Jahren merklich erhöht. Sowohl Referenzportfolios als auch andere Details betreffend der  Swap-Transaktion sind heute über die Webseiten der Anbieter auffindbar.

P er Ende 2012 waren 888 ETF von 18 Produktanbietern an der SIX Swiss Exchange kotiert. Und die Pipeline ist auch weiterhin gut gefüllt. Aber wie es auch in anderen Wachstumssegmenten in Zeiten der Reife auftritt, sehen wir eine langsam einsetzende Konsolidierung. Einerseits zeichnet sich ein Trend nach Grösse ab,  andererseits konzentrieren sich viele kleinere Anbieter auf bestimmte Nischen.

Hier bietet der ausgereifte Markt in der Schweiz unternehmerischen Spielraum für beide. Die grossen  globalen Anbieter finden hier einen attraktiven Markt mit im Vergleich zur EU überdurchschnittlichem Wachstum. Die Nischenanbieter profitieren von der Multiwährungsfähigkeit und den in der Schweiz möglichen ETF auf physisch hinterlegte Edelmetalle. Der Anteil der letzteren am ETF-Handelsumsatz machte 2012 über 30 Prozent aus mit steigender Tendenz. Solche Erfolgsgeschichten müssen der Industrie Mut geben.


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