Kolumne
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Christian Katz   CEO SIX Swiss Exchange

Christian Katz: «Wachstum und Vertrauen fördern»

Christian Katz, Chef der Schweizer Börse, über die Finanzkrise und die zahlreichen Massnahmen und Regulierungsbestrebungen Er sagt: «Es gibt noch weiteren Handlungsbedarf, vor allem um das Wirtschaftswachstum nachhaltig zu unterstützen».

Die Finanzkrise führte zu einem Vertrauensverlust in die Kapitalmärkte. Eine globale Regulierungswelle war die Folge. Für die europäischen Börsen, darunter auch die SIX Swiss Exchange, sind die Auswirkungen bereits ersichtlich: mehr Transparenz, mehr Absicherung, mehr Kontrolle. Aber genügt dies, damit die Kapitalmärkte auch das Wirtschaftswachstum nachhaltig unterstützen? Ich sehe in fünf Bereichen Handlungsbedarf:

In erster Linie gilt es, in Wirtschaftswachstum zu investieren. Eine verbesserte Aktienkultur muss in Europa das Unternehmertum beleben, damit mehr Arbeitsplätze geschaffen und das Wirtschaftswachstum gefördert werden kann. In der EU machte die gesamte Börsenkapitalisierung 2013 nur 55 Prozent des Bruttoinlandprodukts aus, während Bankkredite an Private mit 104 Prozent zu Buche schlugen. In den USA lag das Verhältnis bei 136 zu 43 Prozent, die Kapitalmarktfinanzierung überwog die Kreditfinanzierung. Da die Bankenfinanzierung zunehmend erschwert wird, sollte die Politik die Finanzierung über börsenkotierte Instrumente erleichtern. Dies ist wichtig, da Studien zeigen, dass Firmen 92 Prozent der neuen Arbeitsplätze erst nach einem Börsengang schaffen.

Eine wichtige Quelle für neue Arbeitsplätze- sind kleine und mittlere Unternehmen. In den fünf grössten EU-Staaten haben KMU pro fünf Arbeitsplätze, die bei Grossunternehmen in der Krise verloren gingen, einen neuen geschaffen. Doch durch den Fokus der Regulierung auf den Handel mit Blue Chips wurde der Kapitalmarktzugang für KMU in den letzten Jahren erschwert. Tiefe Geld-/Brief-Spannen, übermässige Publikationsanforderungen und das Verschwinden von kleineren Finanzintermediären hat das Ökosystem für KMU zunehmend bedroht. Nun gilt es allen Unternehmen zu dienen. Der Zugang zu den Kapitalmärkten muss für KMU verbessert werden. Die IPO Task Force der EU ist ein guter Anfang.

Als dritter Punkt sollte allen Investoren gedient werden. Es gilt unnötige Komplexität abzubauen, speziell in der Vertriebskette vom Endkunden bis zum Kapitalmarkt. Hier sollte für die Finanzindustrie der Zugang der Retailkunden an die Primär- und Sekundärmärkte von Aktien und Obligationen verbessert werden. Zudem sollten Institutionelle eine ausgewogenere steuerliche Behandlung von Aktien- und Obligationen erfahren.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Positionierung Europas in der Welt. Die Märkte zeichnen sich durch ihre Offenheit aus. Diese Errungenschaft darf nicht der zunehmenden Regulierungswelle geopfert werden. Höhere Transparenzanforderungen und neue Kontrollen müssen so angepasst werden, dass der offene Zugang in die Kapitalmärkte sichergestellt bleibt und das Modell weiterhin als weltweites Vorbild dienen kann.

Letztendlich muss auch die Sicherheit erhöht werden. Der Handel über regulierte Börsen wahrt die langfristige Sicherheit der Kapitalmärkte und reduziert systemisches Risiko während einer Krise. Besonderes Augenmerk gebührt in der Regulierungswelle dem Derivatehandel. Börsengehandelte Derivate profitieren bereits von börsengetriebenen zentralen Gegenparteien. In Europa werden künftig auch standardisierte OTC-Derivate über zentrale Handelsplattformen gehandelt und über zentrale Gegenparteien abgewickelt. Ein weiterer nötiger Schritt ist die Regulierung neuer Kapitalbeschaffungsmassnahmen wie beispielsweise dem Crowdfunding.

 


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