Der grosse Einfluss der Tech-Giganten auf den S&P 500

Bis vor wenigen Monaten schienen die Aktien von Tech-Unternehmen nur eine Richtung zu kennen: nach oben. Das hat sich dramatisch geändert. Diese starken Kursrücksetzer haben auch Indexinvestoren zu spüren bekommen.

S&P 500 Technologie

Das viele billige Geld, das die Notenbanken in den letzten Jahren in die Märkte pumpten, liess die Aktienkurse in die Höhe treiben. Die nun eingeläutete Zinswende führte zu einem Ausverkauf von Technologieaktien.

Von den Top-10 US-Techaktien im S&P 500 hat Meta (ehemals Facebook) seit Anfang Jahr beinahe 50 Prozent an Wert eingebüsst. Noch heftiger ist der Verlust von Netflix. Der Aktienkurs des Streamingdiensts büsste beinahe 70 Prozent ein. Auch der erfolgsverwöhnte US-Onlinegigant Amazon verlor über 30% (Stand: Ende Juni 2022). Apple und Microsoft haben ebenso rund einen Fünftel ihres Börsenwerts seit Jahresbeginn eingebüsst.

Das Index Dilemma

Doch nicht nur Aktienanleger wurden auf dem falschen Fuss erwischt, auch passive Anleger mussten bluten. Inzwischen packen viele Anleger ihr Vermögen in Aktien-ETF, in der Überzeugung, ihre Anlagen seien breit gestreut – und das erst noch zu geringen Kosten. Doch auch Index-Investoren, die etwa auf den S&P 500 Index setzen, ­haben in den letzten Monaten einen bösen Schock erlebt.

Das Problem am S&P 500 – beim MSCI World gilt Ähnliches – ist die hohe Gewichtung der Tech-Giganten. Allein aufgrund ihrer stark wachsenden Marktkapitalisierung haben sie im weltweit führenden Aktienmarktbarometer immer mehr Macht erhalten. Apple, Amazon, Microsoft, ­Google und Meta sind in den vergangenen Jahren derart stark gewachsen, dass sie 25 Prozent des nach Marktwerten gewichteten US-Aktienindex ausmachen.

Letztlich sind kapitalgewichtete Barometer ein Momentum-Spiel: Die Aktien mit der grössten Marktkapitalisierung haben das grösste Gewicht. Die Dominanz der Technologieaktien hat somit einen grossen Einfluss auf die Performance des Gesamtindex. Seit sich der Markt gedreht hat, sind die oben erwähnten Unternehmen – plus Netflix und Nvidia – für 46 Prozent der Verluste verantwortlich, die der S&P 500 im Jahr 2022 ­erlitten hat.

Tech-Giganten bestimmen den Index

Die Performance - getrieben durch die Big-Techs - war lange Zeit positiv für Anleger. Der Index kannte fast nur eine Richtung: nach oben. Schliesslich waren im 2021 lediglich eine Handvoll Big-Techs für den fast 29-prozentigen Anstieg des S&P 500 verantwortlich. Microsoft, Google, Apple, Nvidia und Tesla haben mehr als ein Drittel der Gesamtrendite des S&P 500 ausgemacht. Und in diesem Jahr waren ebenso die Tech-Giganten für die Kurskorrektur verantwortlich. Der S&P 500 ist seit Jahresbeginn um 18 Prozent gefallen.

Der Wert des Tech-Sektors nahm um einen Viertel ab

Der Rückgang des gesamten Indexes wäre also weitaus weniger dramatisch ausgefallen, wenn die Giganten weniger dominant wären. Konkret: Ohne Big Tech wäre der S&P 500 in diesem Jahr sechs Prozentpunkte weniger gefallen. Blickt man hingegen fünf Jahre zurück, hätte der S&P 500 ohne Big Tech 41 Prozent zugelegt – dank der Dominanz der fünf Giganten waren es 61 Prozent.

Apropos mächtige Aktien: Auch Warren E. Buffett ist mit Berkshire nicht immun gegen die Verlockung der Big-Techs. Per Ende März 2022 war Apple die grösste Aktie im Aktienportfolio von Berkshire und machte fast 41 % des gesamten Marktwerts des Portfolios aus. Berkshire ist ebenso in den Top-10 des S&P 500 Index aufgeführt.

Umbau im Tech-Sektor

Für Index-Investoren bedeutet dies, dass sie sich allfälliger Klumpenrisiken – insbesondere im Bereich Technologie – bewusst sein müssen. Doch diesen Klumpenrisiken vorzubeugen, ist gar nicht so einfach, da Technologie nicht mehr ein eigenständiger Sektor ist, sondern alle Branchen durchdringt. Das starke Gewinnwachstum beschränkt sich nicht mehr auf die im Informationstechnologie-Sektor des Index zusammengefassten Tech-Unternehmen. Es erstreckt sich auch auf andere Branchen wie etwa Unternehmen aus dem Bereich der sozialen Medien, die als Kommunikationsdienste klassifiziert sind, oder Internethändler und Streaming-Anbieter, die dem Sektor zyklische Konsumgüter zugeteilt werden.

Die beiden grossen Indexanbieter S&P Dow Jones Indices und MSCI haben eine Reform angekündigt, mit der die Dominanz der Tech-Aktien in ihren Indizes gesenkt werden soll. Die Idee ist altbekannt: Firmen wie Alphabet, Meta oder Twitter, die heute den Kommunikationsdiensten zugerechnet werden, wurden früher als Tech-Werte geclustert. Die beiden US-Unternehmen wollen Zahlungsdienstleister, die derzeit als Tech-Firmen klassifiziert sind, künftig dem Finanzsektor zuzuordnen. Andere Tech-Unternehmen, die Outsourcing- oder Personalunterstützung anbieten, sollen unter Industrie klassifiziert werden.

Ausblick Tech-Werte

Doch wie geht es nun weiter mit den Tech-­Giganten? James Paulsen, Chefstratege des US-Analysehauses Leuthold Group, schrieb in einem kürzlich erschienen Report, dass sich Tech-Aktien zwar in einem Bärenmarkt befänden. Parallelen zum Dotcom-Crash um die Jahrtausendwende sieht er dennoch nicht. Paulsen stellt in der Analyse fest, dass die Preise für Technologieunternehmen zwar nahe am Niveau im Jahr 2000 liegen, die Gewinne heute jedoch weitaus robuster seien. Weiter schreibt der Experte, dass der Technologiesektor weiterhin enttäuschen könnte. Dies insbesondere, wenn Wachstum und Inflation hoch bleiben und die Anleiherenditen weiter steigen.

Noch ist also weiterhin Vorsicht geboten. Sicher ist, dass beispielsweise Apple immer noch ein Milliarde Nutzer aufweist. Meta bedient mit seiner App-Familie immer noch drei Milliarden Unique User weltweit, Netflix hat immer noch mehr als 220 Millionen zahlende Abonnenten. Und Google ist immer noch mit grossem Abstand Marktführer mit seinen Produkten für E-Mail, Websuche und digitale Anzeigen.

Es gilt also, nicht in Panik zu geraten. So wie die Kurse fallen, können sie auch wieder steigen – und zwar stark. Die Schwierigkeit besteht darin, den Moment des Aufschwungs zu erwischen. Am besten hält man sich an eine Weisheit von Star-­Investor Warren Buffet: «Wenn jemand gute Aktien hat, wäre er verrückt, wenn er sie nur wegen eines Kursrückschlags verkaufen würde. Ich suche ­Unternehmen, die ich verstehe und von deren ­Zukunftsaussichten ich überzeugt bin».


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  1. Sandra Meier

    Jöh, und worin soll dann investiert werden wenn nicht in den Index inklusive Tech-Titel?
    Etwa ins Gesundheitswesen wo staatliche Kostenbegrenzungen drohen?
    Oder Automobil und andere Luxusgüter?
    Oder undurchschaubare Banken?
    Oder ‚Communication Services‘ die ja kaum 8.6% des ganzen Kuchens Wert sein dürften…
    Oder Real Estate wo die nächste Blase mit dem Zaunpfahl winkt?

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