USA dominiert den Weltindex

Der Weltindex, gemessen am MSCI World, wird oft als Messlatte für Aktienfonds verwendet. Zudem nutzen viele Anleger ETF auf den Weltindex. Ihr Motiv: Mit einem Investment global und breit diversifiziert anlegen. Doch der Index hat seine Tücken.

Der MSCI World wird oft als Messlatte für die Börsenstimmung herbeigezogen. Auch bei vielen globalen Aktienfondsvergleichen dient der MSCI World als Vergleichsmassstab. Der Index bildet über 1500 Aktien aus 23 Industriestaaten. Auf den ersten Blick scheint der Index dem Anlage-Grundprinzip einer breiten Diversifikation Rechnung zu tragen.

Anleger, die beispielsweise mit einem ETF auf den MSCI World investieren, erhoffen sich auf einfachem Wege eine breite Diversifikation ihrer Vermögensanlage – und das sowohl geographisch als auch branchenspezifisch. Doch ein Blick in die Indexdetails zeigt jedoch, dass der Index einige Tücken aufweist

Klumpenrisiko USA

Mit knapp 70% aller Werte machen US-Aktien die Mehrheit im Index aus. Diese hat in den letzten 12 Monaten sogar zugenommen, denn im Sommer 2021 waren US-Papiere «lediglich» mit 60% im Index vertreten.

Wenn Investoren stattdessen auf den «echten» Weltindex setzen, den MSCI All Country World Index (MSCI ACWI) – ändert sich an dieser Situation nicht viel. Dieses Barometer bildet circa 2750 Unternehmen aus 23 Industrienationen und 24 Entwicklungsländern ab.

Er ist also — scheinbar — noch breiter diversifiziert. Dem ist aber nicht so: Die USA vereint 62% im Index. Somit wird hier kaum die breite Diversifikation erreicht, die sich Anleger

Klumpenrisiko Technologieaktien

Blickt man auf die Sektorenverteilung, dann zeigt sich ein weiterer Risikofaktor: Technologiewerte. Diese sind im MSCI World inzwischen stark vertreten. Allein die drei Unternehmen Apple, Microsoft und Google beeinflussen den Index mit 10% Gewichtung.  Drei Firmen bestimmen den Index in etwa gleich viel wie die im Index vertretenen Unternehmen aus Japan (Indexgewicht: 6%) und Grossbritannien (Indexgewicht: 4,2%). Allein Apple hat im MSCI World mit 5,1% ein grösseres Gewicht als alle Aktien aus Deutschland und Frankreich zusammen.

Der Sektor Information Technology ist mit 22% gewichtet. Dazu kommen aber auch technologielastige Firmen in den Sektoren «Consumer Discretionary» (Indexanteil: 11,3%) wie Amazon und Tesla oder die Techkonzerne im Sektor «Communication Services» (Indexanteil: 7,2%) wie Meta, Netflix et cetera.  Nachdem es bei den Tech-Aktien in den vergangenen Jahren zwar steil bergauf gegangen war, kriselte es in diesem Jahr.

Gewichtung nach BIP

Letztlich geht ein MSCI World-Investor eine Wette auf die USA und auf Tech-Werte ein. Würde man stattdessen nach dem Bruttoinlandsprodukt der jeweiligen Regionen gewichten, gemessen am weltweiten Bruttoinlandsprodukt, würden die USA mit rund 28%, Europa mit 23% und Schwellenländer mit beinahe 40% in einem Portfolio gewichtet sein.

In einem solchen Szenario wäre das Klumpenrisiko der USA bedeutend tiefer, weil ihre Wirtschaftsleistung im globalen Verhältnis bei weitem nicht so gross ist, wie es die Marktkapitalisierungen der US-Konzerne vermuten lassen würden. Dafür gewinnen die Schwellenländer stark hinzu. Die sind im Weltindex gar nicht enthalten. Die höhere Gewichtung dieser aufkommenden Nationen liegt daran, dass in den Schwellenländern eine hohe Wirtschaftsleistung erzielt wird, schon allein aufgrund der hohen Anzahl von Menschen, die dort leben und arbeiten.

Mögliche Nachteile

Dass die Gewichtung nach Marktkapitalisierung auch zu Nachteilen führen kann, zeigte Japan. Die Nation schaffte eine beeindruckende wirtschaftliche Entwicklung. In wenigen Jahrzehnten hat Japan den weltweiten Anteil am Bruttoinlandprodukt von weniger 1% auf über 15% gesteigert – das war Ende der 1980-er Jahren. Japanische Aktien hatten zu diesem Zeitpunkt eine globale Marktkapitalisierung von 40%. 

Die anschliessende Rezession führte zum berühmten verlorenen Jahrzehnt. So ist der japanische Aktienindex noch heute etwa 40% von seinem historischen Höchststand entfernt. Die japanische Aktienmarkt weist heute ungefähr einen Anteil von 6% an der globalen Aktienmarktkapitalisierung, ebenso liegt der globale BIP-Anteil bei 6%.

Wer in den 1980-er Jahren sein Portfolio nach einer globalen Aktienlösung, die nach Marktkapitalisierung gewichtet wäre, hätte 40% Japan im Depot gehabt, obwohl die eigentliche Wirtschaftsleistung viel kleiner war. Diese Anleger hätten den gesamten Ritt nach unten mitgemacht.

Doch das Ganze sollte den Blick auf das Wesentliche nicht trüben, denn mit dem MSCI World Index konnte man in den letzten zehn Jahren eine stattliche durchschnittliche Rendite von 10,8% pro Jahr herausholen. Der MSCI Emerging Index, der globale Schwellenländer-Aktien abbildet, schaffte in dieser Zeit lediglich 3,2%.

Ob die vergangene Performance auch ein verlässlicher Indikator für die zukünftige Performance sein kann, muss man verneinen. Vielmehr sollten Anleger selbst den Blick in die Zukunft richten und sich eine Meinung darüber bilden, welche Märkte und Sektoren in Zukunft profitieren könnten. Das schöne dabei ist, dass es inzwischen auf fast jeden Aktienmarkt entsprechende börsengehandelte Indexfonds erhältlich sind.


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