Berner Börse setzt auf Grossanleger

Die Berner Börse BX Swiss erweitert ihr ETF-Angebot und schafft Anreize für Grossanleger. Mit dem Ziel, den ausserbörslichen ETF-Handel zurück an die Börse zu bringen.

Text: Barbara Kalhammer

Computergesteuerte Handelsprogramme stehen schon länger in der Kritik. Doch der Hochfrequenzhandel, der von Computer automatisch betriebene Börsenhandel, boomt weiterhin. In den USA wird sein Anteil auf mehr als 50 Prozent geschätzt. Mittels technischem Fortschritt versuchen die Händler, sich gegenseitig um ein paar Millisekunden zu übertrumpfen. Begünstigt wird der Hochfrequenzhandel gemäss Kritikern durch sogenannte Dark Pools. Diese börsen- und bankeninternen «Schattenbörsen» wurden geschaffen, um quasi im Dunkeln Grossaufträge abzuwickeln.

Dies hat einen einfachen Grund: Bei grossen Aufträgen, wie sie beispielsweise Pensionskassen oder Versicherungen tätigen, können die Auswirkungen auf den Kurs dank einer Stückelung gering gehalten werden. Sie erhalten also bessere Konditionen. Nach Angaben des Finanzfachverbands CFA Institute laufen bereits zehn Prozent des gesamten Aktienhandels über solche Dark Pools, die eben auch gerne von den Hochfrequenzhändlern verwendet werden.

Anbieter verfolgen ambitionierte Ziele

Auf den ersten Blick mag es eigenartig anmuten, dass die Schweizer Börse den Dark Pool «Six Swiss Exchange Liquidnet Service» betreibt. Doch hier müsse differenziert werden zwischen regulierten und nicht regulierten Dark Pools, sagte Peter Gomber, Experte für elektronische Finanzmärkte der Goethe-Uni Frankfurt, der ARD. Zu den regulierten zählen für ihn zum Beispiel die Dark Pools, die von Börsen betrieben werden, und andere alternative Handelssysteme. Diese haben seiner Meinung nach einen erheblichen Nutzen, gerade für institutionelle Anleger mit grossen Orders – und sind legal. «Institutionelle Anbieter haben oft das Problem, dass sie beim Kauf oder Verkauf von grossen Aktienblöcken keine Gegenpartei finden, die sie ihnen abnimmt», erklärt Stephan Meier, Pressesprecher der Schweizer Börse, ebenfalls in der ARD. «Wenn sie die Blöcke an der Börse handeln, riskieren sie, dass sie in kleine Aufträge zersplittert werden oder es zu Preisbeeinflussungen kommt.»

Wie in einem Dark Pool werden künftig auch die Aufträge bei der Berner Börse behandelt. Neben dem Ausbau ihres ETF-Angebotes auf über 500 ETF will die Börse Grossanleger anlocken. Zu diesem Zweck werden künftig ETF-Aufträge ab einer Million Franken separat behandelt. Im Detail holt die Börse vollelektronische eine beidseitige Preisofferte (Request for Quote) beim Market Maker ein. Sofern der angebotene Quote zu der Preislimite des Auftraggebers passt, wird der Auftrag ausgeführt. Wie in einem Dark Pool werden diese grossen Orders nicht im Auftragsbuch gezeigt. Bislang wird rund die Hälfte des ETF-Handels ausserbörslich abgewickelt. Dabei verzichten die Marktteilnehmer aber auf einen regulierten Handel. Somit könnte die Auftragsabwicklung der Berner Börse für Grossanleger durchaus interessant sein.


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  1. Hans-Peter

    Interessanter Einblick in die Vorgehensweise solche Vorgänge. Weiter so! LG Hans-Peter

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